Auf wiedersehen, Ciao.com!

Ciao.de

Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit wurde das Verbraucherportal Ciao.com Anfang 2018 eingestellt. Ebenso wie der Konkurrent Dooyoo.de, bot Ciao.com seinen Nutzern eine Plattform für die Veröffentlichung von Produkttests. Dafür erhielten die Verfasser sogar Tantiemen.

Tatsächlich zeigt Ciao.com, wie schnell sich das Internet entwickelt und innovative Dienstleistungen veralten lässt: Der Erfolg (oder Misserfolg) dieses Verbraucherportals hing eng davon ab, dass Privatleute vor dem Jahr 2000 kaum Möglichkeiten hatten, ihre Meinungen zu veröffentlichen. Es gab zwar einige Websites mit Diskussionsforen, private Websites waren aber teuer im Betrieb und setzten Expertenkenntnisse bei der Einrichtung voraus. WordPress gab es noch nicht und „Homepagebaukästen“ boten nur sehr eingeschränkten Nutzen. Davon profitierte auch unser Palmtop & Smartphone Magazin, das Anfang der 2000er Jahre mehrere Millionen Seitenabrufe zählte, weil nur halbes dutzend deutschsprachige Websites gab, die sich um mobile Taschencomputer (Smartphones und Tablets spielten noch keine Rolle) kümmerten.

Die Monetarisierungsmöglichkeiten waren zur Gründungszeiten von Ciao.com ebenfalls sehr viel besser, den werbetreibende Unternehmen investierten Unsummen in Bannerwerbung. Alternativen gab es für Werbetreibende ja noch kaum, denn Suchmaschinenwerbung spielte damals noch keine große Rolle. Auch Banner auf privaten und kommerziellen Websites, wie sie Google inzwischen mit seinem Adwords/Adsense-Programm perfektioniert hat, gab es hierzulande nicht.

Ciao.com und Dooyoo.de wurden meines Erachtens schnell obsolet, als Amazon den deutschen Markt eroberte und mit Hundertausenden Produktrezensionen eine Alternative aufbaute. Wenn ich mich für ein Produkt interessiere, schaue ich direkt bei Amazon nach und kaufe häufig auch dort. Testberichte auf anderen Websites studiere ich dagegen nur bei höherpreisigen Artikeln.

Seit einigen Jahren sind zudem hunderte Websites aus dem Boden geschossen, die ausführlich über alle möglichen Produkte berichten. Dies ist auch der Grund, warum wir uns vor einigen Jahren beim Palmtop & Smartphone-Magazin von Test- und Marktberichten verarbschiedet haben und nur noch vereinzelt über Trends und Geräte berichten. YouTube bietet ebenfalls für viele Hobbyisten eine kostenlose Videoplattform für Testberichte und Meinungen.

Ciao.com und Dooyoo.de konnten wohl den oben genannten Trends nichts entgegensetzen und wechselten mehrere Male den Besitzer. Ciao.com bot bei meinem letzten Besuch vor einigen Monaten auch einen Preisvergleich an, der mich aber qualitativ nicht vom Hocker riss.

Nachträglich lässt sich natürlich nur spekulieren, was man bei Ciao.com hätte besser machen können. Vielleicht wäre eine Umgestaltung in Richtung Schnäppchenportal wie Mydealz.de oder Dealdoktor.de sinnvoll gewesen oder der Ausbau zu einem vollwertigen Preisportal, vergleichbar zu Geizhals.de. Die Suchmaschinenoptimierung war ebenfalls dürftig und das Website-Design nicht responsive (automatische Anpassung der Darstellung an die Displaygröße von Tablets und Handys).

Einen kurzen Überblick über Ciao.com bietet ein Artikel in der Wikpedia, der allerdings inzwischen veraltet und unvollständig ist.

Die Entwicklung von Ciao.com (zuletzt Ciao.de) und Dooyoo.de habe ich über die letzten Jahre immer mal wieder verfolgt, weil ich die drei Ciao.com-Gründer um 1999 herum in München kennen lernen durfte. Im Gespräch verrieten sie aber nicht genau, woran sie arbeiteten, sondern sprachen von einem Frauenportal. Dooyoo.de investierte dagegen über Monate hinweg mehrere Tausend Euro in Bannerwerbung auf meiner Website.

Autor: Rainer Gievers, 24.02.2018