Gefälschte SD-Karten im Handel

Das am häufigsten angeschaffte Zubehör im Handy-Bereich dürfte wohl die Speicherkarte sein. Schließlich reicht der Gerätespeicher von meist 4 bis 8 Gigabyte nicht für umfangreiche Musiksammlungen oder selbst erstellte Fotos und Videos aus.

Für eine qualitativ hochwertige SD-Karte (üblich ist inzwischen das Micro-SD-Format) mit 32 GB zahlen Sie zwischen 15 bis 20 Euro. Einfluss auf den Preis hat vor allem die Geschwindigkeit, welche mindestens „Class 10“ (10 MB/s im Schreibmodus) betragen sollte. Damit haben Sie die Sicherheit, dass auch HD-Video-Aufnahmen problemlos auf der Karte landen. Bei langsameren bzw. älteren SD-Karten bricht dagegen der Schreibvorgang ab, sofern die Kamera-Anwendung die Videoaufnahme nicht sogar gänzlich verweigert.

Die große Nachfrage nach SD-Karten hat auch Betrüger angelockt, denn das Fälschen ist relativ simpel. Meist enthalten die gefälschten Karten nur ein Bruchteil der versprochenen Kapazität, also beispielsweise 8 statt 32 GB, obwohl das Handy 32 GB anzeigt. Im Betrieb fällt dies auch zunächst nicht auf. Wenn man allerdings mehr als 8 GB an Daten speichert, werden die alten Daten überschrieben und es kommt zum Datenverlust.

Aus eigener Erfahrung und den Berichten anderer wagen wir zu behaupten, dass auf dem Marktplatz Ebay der größte Teil der angebotenen SD-Karten gefälscht ist.

In einem Testkauf bei einem deutschen Ebay-Händler haben wir folgende 32 GB-Karte erworben:

Die Verpackung sieht schon mal echt aus. Bereits hier fällt das merkwürdige körnige Muster auf der Micro-SD-Karte auf.

Das erste Warnsignal: Normalerweise ist die Blisterverpackung beim Hersteller San Disk mit einem eingeprägtem Code versehen (sieht man erst nach dem Öffnen der Verpackung).

Orignal (links) und mutmaßliche Fälschung (rechts). Der vermutlich gefälschte SD-Adapter wirkt qualitativ minderwertig und der Aufdruck macht einen körnigen Eindruck, was inbesondere beim SanDisk-Logo deutlich wird. Auf der Rückseite des Originals finden Sie zudem das Produktionsdatum, während die vermutete Fälschung keinen Aufdruck hat.

Der Händler, von dem wir die mutmaßlich gefälschte Karte erworben haben, nimmt am Ebay Plus-Programm bei. Ob er und seine bisher 3700 Kunden von ihrem „Glück“ wissen? Unsere Vermutung: Einem gewissenhaften Verkäufer dürfte die Fälschungsproblematik bekannt sein, weshalb er seine Ware vor dem Inverkehrbringen gewissenhaft prüft. Indizien gibt es ja genug, denn auf der Verpackung gibt es keinerlei Hinweis, dass es sich um eine Class 10-Karte handelt. Dies ist merkwürdig, weil eine Verkaufsverpackung auf die wesentlichen Merkmale des Produkts hinweisen sollte. „Class 10“ ist sicherlich eine davon.

Natürlich dürfte dem Händler auch nicht entgehen, dass die angebotene Karte einen sehr körnigen und unregelmäßigen Aufdruck hat. Vergleicht man die gekaufte Karte mit der Ebay-Produktabbildung, sieht man ja schon auf dem ersten Blick, dass etwas nicht stimmt. Durch den Aufdruck wird die Karte etwas dicker und passt nicht in die von vielen Handys verwendete Schublade. Auch in den mitgelieferten und erst recht dem Original-SD-Adapter passt die „falsche“ Micro-SD-Karte nur mit Mühe hinein.

Auf der Rückseite der vermutlich gefälschten SD-Karte steht „Made in Taiwan“. Der Hersteller SanDisk produziert zwar auch in Taiwan, der überwiegende Teil der Produktion erfolgt aber in China, weshalb man eher den Hinweis „Made in China“ erwarten sollte.

 

Einen endgültigen Hinweis, dass etwas nicht stimmt, bringt das kostenlose Programm H2test2w. Es simuliert eine normale Nutzung, bei der die Karte vollgeschrieben und anschließend überprüft wird. Wie man sieht, kommt die mutmaßlich gefälschte SD-Karte nicht besonders gut weg. Offenbar hat sie nur 8 GB und zeitigt eine maximale Schreibgeschwindigkeit von 7 MB/s, was nicht an die versprochenen 10 MB/s heranreicht.

Bei einer Orignal-Karte weist das Testprogramm keine Fehler aus und zeigt eine Schreibgeschwindigkeit von 12 MB/s an, was die Class 10-Spezifikation übertrifft.

Was ist das Original und was eine Fälschung?

Fazit

Was können Sie tun, damit man Ihnen keine gefälschte SD-Karte „andreht“? Kaufen Sie nur im Fachhandel und nur Markenprodukte. Dazu zählen wir SanDisk, Samsung und Kingston, welche ihre Karten und teilweise die verwendeten Speicherchips selbst herstellen. Auf der SanDisk-Website finden Sie eine Händlersuche.

Bei Ebay und anderen Marktplätzen sollten Sie vorsichtig sein. Selbst auf Amazon sind Sie nicht vor Problemen gefeilt, weil dort auch Dritte ihre Waren anbieten.

Machen Sie einen Bogen um bemerkenswert günstige Angebote. Eine 128 GB-Speicherkarte kann derzeit einfach nicht 20 Euro kosten! Achten Sie auf die Geschwindigkeitsangabe, denn damit Sie Spaß mit der Karte haben, sollte sie mindestens „Class 10“ unterstützen. Leider finden immer wieder ältere SD-Karten den Weg in den Handel, die zu nichts mehr zu gebrauchen sind.

Originale Speicherkarten

Originale SD-Karten von Samsung und SanDisk mit Class 10-Geschwindigkeit. Design und Verpackung der SanDisk-SD-Karte wurde vor einigen Jahren geändert. Das alte Design ist nur noch bei Ebay-Restposten anzutreffen.

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Die Folienverpackung der SanDisk-Karte hat eine eingeprägte Nummer (im Foto oben). Die Karte verbirgt sich hinter einer dünnen Folie.

Ein weiterer Blick auf die Verpackung.

Autor: Rainer Gievers, 27.05.2017

Update 05.07.2017

Inzwischen habe ich eine 64 GB Kingston-SD-Karte bei dem gleichen Ebay-Anbieter bestellt, die sich ebenfalls als vermutliche Fälschung herausgestellt hat. Die Rückgabe der Artikel lief bisher problemlos. Angesichts der vielen negativen Anbieterbewertungen bei Ebay fragt man sich allerdings, wann die Auktionsplattform endlich gegen diesen Anbieter durchgreift.